
Ca. 1921, Fernand „Pete" Petiot, Harry's New York Bar, Paris. Petiot mischte Wodka und Tomatenkonserven-Saft (damals neu auf dem Markt) für amerikanische Gäste. 1934 brachte er das Rezept ins St. Regis Hotel New York, wo es in „Red Snapper" umgetauft wurde. Der ursprüngliche Name setzte sich dennoch durch. Namensdeutung: Entweder nach Mary I. von England (1516–1558), „Bloody Mary" wegen Protestantenverfolgungen, oder nach der Tänzerin Mary Brown Warburton. Beide Theorien sind nicht schlüssig belegt.
Die Bloody Mary ist das beste Beispiel für Umami in Cocktails: Tomate, Worcestershire (fermentierte Sardellen, Essig, Tamarinde), Sellerie, Meerrettich. Wissenschaftlich erklärt das ihre Reputation als Katergetränk: Lycopin, Vitamin C, belebende Schärfe. David Wondrich bezeichnet sie als den einzigen Cocktail, bei dem persönliche Kreativität verpflichtend ist – kein Standard-Rezept gilt. Bloody Caesar (Kanada, 1969, Walter Chell, Calgary): mit Clamato-Saft (Tomaten-Muschelsaft).
Zitrone: frisch; Limette macht kantiger und grüner. Wodka: neutraler guter Wodka; bei Highballs zählt Kälte mehr als Marketing.
Annäherung: alkoholfreier Neutralspirit oder einfach stark gekühlter Filler mit Säure. Hinweis: echte 0,0-Version nur mit alkoholfreien Bitters/Aperitifs.
Zu alkoholisch/scharf: länger rühren; zu wässrig: kürzer rühren, größeres/kälteres Eis.