
Der Gillette taucht in älteren Cocktailbüchern des frühen 20. Jahrhunderts auf und gehört zur großen Familie der Rum-Sours, die in der Karibik und Kuba ihre Wurzeln haben. Der Name verweist möglicherweise auf eine Person oder Marke, eine eindeutige gesicherte Herkunft ist jedoch nicht belegt. Er ähnelt strukturell dem Daisy-Konzept – Spirituose, Zitrusaft, Orangenlikör – und ist damit ein Zeitgenosse des klassischen Margarita-Schemas, auf Rum angewendet. Er findet sich in verschiedenen historischen Rezeptsammlungen, gilt aber nicht als IBA-Klassiker.
Die Wahl des weißen Rums ist entscheidend: Ein sauberer, leichter Rum wie Bacardí Superior oder Flor de Caña Extra Dry bewahrt die Frische des Drinks. Stark aromatische agricole Rhums können das Limettenaroma überdecken. Triple Sec hoher Qualität (z. B. Cointreau) ist dem günstigen Gegenstück vorzuziehen, da es weniger künstlich schmeckt und besser balanciert. Der Limettensaft muss frisch gepresst sein – Flaschensaft bricht die Balance. Doppeltes Abseihen sorgt für eine seidige Textur ohne Eisscherben, was bei einem gekippten Kurzdrink besonders wichtig ist.
Daisy (Rum, Limette, Grenadine statt Triple Sec); Margarita (gleiche Struktur mit Tequila); Cosmopolitan (Vodka statt Rum, Cranberrysaft als vierte Komponente).
Triple Sec: Cointreau ist der Standard; alternativ Grand Marnier (gibt mehr Fülle, etwas weniger frisch) oder Combier Liqueur d'Orange. Weißer Rum: Cachaça Weiß als brasilianische Alternative mit mehr Charakter.
Eine alkoholfreie Version ist möglich: Weißen Rum durch Lyre's White Cane Spirit oder Seedlip Spice 94 ersetzen, Triple Sec durch Orgeat oder alkoholfreien Orangensirup (z. B. Monin Orange Curacao Free), Limettensaft beibehalten. Das Ergebnis ist erfrischend, verliert jedoch die Tiefe und Komplexität des Originals.